Theatermuseum - Zauberwelt der Kulissen
 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und wünschen Ihnen einen angenehmen, vergnüglichen und interessanten Aufenthalt in Meiningen.

DIE AUSSTELLUNG


Die theatergeschichtliche Ausstellung in der ehemaligen Reithalle schickt den Besucher auf eine Reise in die Hohezeit des historisierenden Illusionismus, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch das Wirken so hervorragender Theaterleiter wie Eduard Devrient, Friedrich Haase und Franz von Dingelstedt an den deutschen Bühnen auszubreiten begann. Zum Zentrum und Vollender dieser Stilrichtung avangierte das Meininger Hoftheater, das mit seiner Inszenierungskunst eine Reform des Theaterspielens einleitete und maßgeblich prägte.


National und international, durch 81 Gastspielreisen zwischen 1874 und 1890, wurde das von Herzog Georg II., seiner Gemahlin Helene Freifrau von Heldburg und Direktor Chronegk künstlerisch geführte Theater zu einer Musterbühne für die Darstellung der Meisterwerke der klassischen Bühnenliteratur (Shakespeare, Schiller, Kleist und Ibsen).


Im Mittelpunkt der Präsentation stehen die originalen Bühnendekorationen der “Meininger”, eine Sammlung von 275 Prospekten, Kulissenbögen, Panoramawänden und Setzstücken, die  aufgrund ihrer Neuartigkeit  und Pracht sowohl bei den Regisseuren und Schauspielern, als auch bei den Feuilletonschreibern und vor allen Dingen beim Publikum für das größte Aufsehen gesorgt haben.

Jedoch war die in Meiningen gepflegte intensive Beschäftigung mit Dekorationsfragen kein Selbstzweck. Dem Kritiker und späteren Intendanten des Meininger Hoftheaters, Paul Lindau, versicherte Georg II. bereits 1879, “dass mir das Malerische, die Ausstattung, nie Hauptsache ist einem Dichtwerke gegenüber, dass im Gegenteil ein derart auf das Äußerliche sich konzentrierender Sinn in mir den entscheidensten Gegner finden würde.” Die Meininger Bühnendekorationen sollten zu einer malerischen Bildwirkung der Inszenierungen beitragen, das Agieren der Schauspieler unterstützen und der Regie eine lebensnahe Spielgestaltung erleichtern. Letztendlich beabsichtigte der fürstliche Theatermacher über die durch Raum- und Zeitillusionen beförderte emotionale Wirkung, dem Publikum den humanistischen Gehalt der Dichtung nahe zu bringen. “Angefangen beim Agieren der Figuren bis in Einzelheiten des Bühnenbildes, der Beleuchtung und der Kleidung war die Aufführung von Herzog Georg II. einheitlich entwurfen, in allem bedacht aufeinander abgestimmt” mit dem Ziel, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen.


Da in Meiningen keine Theatermaler ansässig waren, die den hohen Qulitätsansprüchen des Herzogs gerecht werden konnten, wandte sich Georg II. an das in Coburg ansässige “Atelier für szenische Bühnenbilder” der Gebrüder Max und Gotthold Brückner. Diese verstanden es meisterlich, die szenischen Ideen des Theaterherzogs in großflächige Land- schaftspanoramen und stimmungsvolle Innenraumdekorationen umzusetzen. Den fürstlichen Theaterleiter und die Theatermaler vereinte ein identisches künstlerisches Credo, das Max Brückner in den Satz kleidete: “Große herrliche Naturbilder in ergreifenden Stimmungen sind es, welche die Dichtung verlangt und vorschreibt, und so habe ich mich bestrebt, so treu und innig wie möglich, die szenische Örtlichkeit, wie der Meister dieselbe sich gedacht, wiederzugeben”.

Naturtreue, Echtheit und Realismus in der Darstellung von Handlungsort und -zeit, Akribie und Leichtigkeit im Detail, meisterlich empfundene Farbigkeit und Sicherheit im Umgang mit den Gesetzen der Bühnenperspektive waren die Vorzüge der Brücknerschen Malerei. Sie ver- anlasste Georg II., beinahe alle Dekorationen, die sein Ensemple für die Gastspielreiseinszenierungen benötigte, in der Coburger Werkstatt anfertigen zu lassen.


Es entstanden die berühmten Dekorationen für die Shekaepeare-Stücke “Julius Cäsar”, “Das Wintermärchen”, “Hamlet”, “Ein Sommer- nachtstraum”, für die Schiller-Dramen “Die Räuber”, “Wilhelm Tell”, und die “Wallenstein-Trilogie”, für Kleists “Prinz von Homburg” und “Die Hermannsschlacht”.


Nur in Zeiten der totalen Überlastung der Brücknerschen Werkstatt, auf deren “Produkte” auch der Reformator des Musikdramas, Richard Wagner, nicht verzichten wollte, kamen gelegentlich andere  Werkstätten mit hohem Qualitätsstandard zum Zuge. So erging etwa ein Teilauftrag für die Neuausstattung  der Komödie “Der Widerspenstigen Zähmung” an die Wiener Firma Kautsky. Nachweisbar sind ebenso  Aufträge an den Dekorationsmaler Lehmann in Pest für die Inszenierung “Das Käthchen von Heilbronn”.

Die in jahrelanger Bühnenpraxis gewonnenen Erfahrungen ermöglichten erst jene Inszenierungen, die in der sechzehnjährigen Gastspielreiseära nicht nur in den wichtigsten deutschen Städten gezeigt, sondern zwischen London und Moskau, Stockholm und Triest von mehr als zwei Millionen Zuschauern begeistert aufgenommen wurden. Historisierender Realismus und perfektionierter Illusionismus lautet die Botschaft nicht nur für die Zeitgenossen. Noch heute haben die meist über ein Jahrhundertalten Dekorationen nichts von ihrem ursprünglichen Reiz eingebüßt.


Im nunmehr größer dimensionierten 1.Obergeschoss des Hallenvorbaus, erschlossen über zwei Wendeltreppen, werden das ebenerdig gezeigte Bühnenbild ergänzend Materialien aus den reichen theaterhistorischen Beständen der Meininger Museen ausgestellt sein - die szenographischen Entwürfe Herzog Georg II., Rollenfotos berühmter Mimen des Meininger Hoftheaters, deutsche und ausländische Theaterzettel, wertvolle Autographe, Requisiten, Kostüme und Preziosen aus der Gastspielreisezeit. Außerdem gibt diese Ebene den Blick auf die historischen Bühnenbilder frei - wie aus dem 1.Rang eines Theaters.


Einem Mosaik gleich, und soweit das heute noch möglich ist, entsteht aus den einzelnen Ausstellungskomplexen eine Vorstellung vom Ganzen der einst auf- sehenerregenden, lebendigen Inszenierungen, die so nur in Meiningen gewonnen werden kann. Ebenso sind thematische Ausstellungen zu historischen und aktuellen Fragen des theatralen Schaffens, von Bühnenbildner-Personalausstellungen bis hin zu Inszenierungsrekonstruktionen, vorgesehen.


Für die Technik-Freaks ganz kurz etwas zur Technischen Ausstattung in der Reithalle


Ist die neu gewonnene Repräsentanz der ehemaligen Reithalle für jedermann auf den ersten Blick sichtbar, so bleiben die umfangreichen technischen Einbauten, die die neue Zweckbestimmung erst ermöglichten, teilweise im Verborgenen. Ein Hochregallager an der Hallen- rückfront dient der restauratorisch fachgerechten Aufbewahrung der wertvollen Dekorationen. Es ist durch eine motorisierte Entnahmebrücke zugänglich. Im Dachraum sind 12 stationäre, ebenfalls motorisierte Dekorationszüge mit je zwei Hängemöglichkeiten installiert. Das erlaubt eine variable Tiefenstaffelung und erstmals die Präsentation kompletter Bühnenbilder im vollen Format. Zweiundzwanzig Frontscheinwerfer an zwei Beleuchtungs- zügen, acht Rück- und ebenso viele Gassenlichter sowie sechzehn  Lichtrampen - alles steuerbar über eine moderne Lichtstellenanlage im “Regieraum” - ermöglichen eine stimmungsvolle Beleuchtung der Bühnenbilder. Eine Leistungsstarke Audio-Anlage mit Kassettendeck, CD - und MD Player, vier Mikrofonen und acht Lautsprechern sorgt für den guten Ton. Für mediale Präsentationen steht zunächst  ein Großbild-Videoprojektor zur Verfügung, der das Einspielen von Filmsequenzen zur Meininger Theatergeschichte, zum Dekorationsfundus oder zum Wirken bedeutender Theaterpersönlichkeiten erlaubt. In den kommenden Jahren werden wir weitere Schritte zur technischen und inhaltlichen Vervollkommnung dieses reizvollen Mediums gehen. Die mit umfangreicher Sicherheitstechnik aus- gestattete Halle verfügt über eine Künstlergarderobe mit drei Schminkplätzen und kann für maximal einhundert Personen bstuhlt werden. Das Theatermuseum “Zauberwelt der Kulisse” soll nicht nur der Ort stillen Betrachtens sein. Wir wollen ein lebendiges Museum schaffen, in dem Traditionen und Aktualität eine harmonische Verbindung ergeben. Neben der andächtigen Rückschau auf eine große Ära theatraler Kunstentfaltungen in Meiningen sollen deshalb Schaurestaurierungen, Bühnenbildner-Workshops, Projektveranstaltungen öffentlicher Träger und festliche Aufführungen, Konzerte und Performences zu bestimmten Jubiläen die Halle mit Leben erfüllen.

Originalkostüme des Meininger Hoftheaters, um 1880 Graf und Gräfin Terzky zu F.Schiller: Wallenstein Trilogie

W.Shakespeare: Der Widerspenstigen Zähmung, Prospekt Padua

P.Lindau Die beiden Leonoren, Heidelberg Prospekt

Herzog Georg II.:

Figurine Karl Moor zu F.Schiller: Die Räuber und Figurine Kunigunde z.H.v. Kleist: Das Käthchen von Heilbronn

W.Shakespeare Hamlet, See Prospekt

Unter Theaterprospekte können Sie noch viele mehr der wunderbaren Prospekte sehen.

Letztes Foto Herzog Georg II. und der Freifrau von Heldburg, 1914

W.Shakespeare: Das Wintermärchen, Prospekt Leontes Zimmer

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