Bürgerbauten in der Altstadt Meiningens
 

Einen Rundgang durch die Altstadt sollte man am besten Ecke Georg- und Marienstraße beim Hotel Sächsischer Hof beginnen.  Als älteste erhaltene Gastherberge der Stadt wurde es von 1798 bis 1802 gebaut. Auf der rechten Seite am Anfang der Georgstraße fällt ein besonders schönes Fachwerkhaus mit Fußgängerdurchgang auf. Es ist das Henneberger Haus, das 1894 fertiggestellt wurde und in seiner architektonischen Konzeption der in der Stadt bevorzugten Fachwerkbauweise angepaßt ist.  Das Sitznischenportal im Stil der Renaissance stammt noch von einem älteren Vorgängerbau. Die Georgstraße ist die Flanier-  und Einkaufstraße Meiningens. Hier sollten aber nicht allein die Auslagen in den Schaufenstern Beobachtung finden, sondern auch die Vielfalt der Fassaden. Sie vermitteln auch heute noch jene elegante und heitere Atmosphäre, die für die ehemalige Residenzstadt typisch war. Bevor der Marktplatz erreicht ist, lädt ein Idylle zur Besichtigung ein, die sich hinter dem Eingang Georgstraße 20 verbirgt. Dort steht das Büchnerische Hinterhaus aus dem Jahr 1596. Es dokumentiert vergangenen Wohlstand, Resultat von Tuchherstellung und Tuchhandel in der Übergangszeit vom 16. zum 17. Jahrhundert. Das Fachwerkhaus läßt viele interessante und liebenswerte Details erkennen, die man erst einmal in Ruhe betrachten sollte. Meiningens Marktplatz wird durch die Stadtkirche beherrscht (Stadtkirche). Ihr gegenüber steht der Heinrichsbrunnen, 1873 von Herzog Georg II. gestiftet. Kaiser Heinrich II. soll 1003 der Legende nach an dieser Stelle die erste Kirche gestiftet haben. Ein Rathaus gibt es heute nicht mehr auf diesem belebten Platz, wo noch wie früher mit Waren gehandelt wird. Es wurde 1945 Opfer des Bombenkriegs. An einem Haus  in der Anton-Ullrich-Straße gleich gegenüber der Kirche, kann man ein Schild erkennen, daß an Schillers Ankunft in Meiningen erinnert. Vom Markt aus begeben wir uns nun hinter die Kirche zum Nonnenplan, der momentan wieder aufgebaut wird. Der  nach Süden folgende Töpfermarkt läßt in seiner Art erahnen, wie Meiningen einst als Stadt der Ackerbürger ausgesehen haben muß. Das “Zacksche Haus” gleich an der Ecke wurde um 1600 fertiggestellt. Dem Schwabenberg folgend, stoßen wir auf das Hartungsche Haus, in dem heute eine Künstlerbegegnungsstätte untergebracht ist. Vor diesem erstklassig restaurierten Fachwerkhaus von 1603 steht ein Laufbrunnen mit Brunnenkasten sowie Brunnensäule. Am Haus gegenüber (Schwabenberg 10), daß sich unauffällig hinter Bäumen im Garten versteckt, kann man an der Wand ein Relief entdecken. 1853 vom Meininger Bildhauer F. Müller begonnen, war es für die herzogliche Villa Charlotta am Comersee bestimmt, wurde aber nicht fertiggestellt. Aus diesem Grunde schmückt dieses Fragment, daß die Romzüge Kaiser Friedrichs I. Barbarossa darstellt. Das Haus am Schwabenberg, dessen Eigentümer es einst übernahm. Wer jetzt eine Ruhepause braucht, dem sei ein Abstecher zu den Bleichgräben am Ortsrand der Altstadt empfohlen. Tuche sind hier zwar nicht mehr ausgebreitet, aber frisches grün dominiert. Der Stadtrundgang jedoch führt uns weiter durch die Wintergasse zur Anton-Ullrich-Straße. Vorbild für das Steinerne Haus dort war das Baumeisterhaus in Rothenburg o. d. Tauber. Der mit Karyatiden geschmückte Bau wurde 1571 auf dem Sockel eines Fachwerkhauses aus dem 13. oder 14. Jahrhundert errichtet. Der Blick von hier durch die Anton-Ullrich-Straße zur Stadt zeigt die bürgerliche Idylle dieses Stadtteils. Ein Zeugnis beeindruckender Fachwerkarchitektur ist auch das Haus 49 in der Ernestinerstraße. Mit seiner hochaufragenden Fassade entstand es 1580. Links abbiegend erreicht man durch die obere Kaplaneigasse am Neubau der Katholischen Kirche die Ernestinerstraße. Hier lohnt sich zunächst ein Blick in die rechts zum Markt abbiegende Schlundgasse. Dort beherrscht der 1874 nach dem Stadtbrand erneuerte, mit reichen Schnitzereien prächtig  verzierte Erker des Schlundhauses, heute Hotel und Gasthaus, das Straßenbild. Das Haus zum Rautenkranz, Ernestinerstraße 40, stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Der im 18. Jahrhundert entstandene Fachwerkbau rechts daneben beherbergt heute eine Bibliothek. Sicher wird jedem Betrachter auffallen, daß dieses Haus den in Meiningen sonst üblichen dekorativen Schmuck hennebergisch-fränkischen Fachwerkstils vermissen läßt. Viel bestaunt und fotografiert wird die alte Posthalterei nur einige Schritte weiter, die unschwer an Pferdekopf und Posthorn zu erkennen ist. In diesem um 1600 fertiggestellten Fachwerkhaus befand sich von 1905 bis 1926 die Posthalterei. Das Schild an der Fassade macht auf die Familie von Pfaffenrath aufmerksam,  die im 18. Jahrhundert hier wohnte. Bekannt wurde eine Hofdame aus der Familie, die durch Rangstreitigkeiten mit einer gleichgestellten 1774 den “Wasunger Krieg” provozierte, ein lächerliches Waffengeplänkel mit dem benachbarten Herzogtum Gotha. Am Ende dieses keineswegs vollständigen Rundganges muß gesagt werden, daß die Stadt noch viele andere Zeitzeugen bietet. Manche von diesen Sehenswürdigkeiten erschließen sich erst beim zweiten Hinsehen.