Englischer Garten am Meininger Theater
 

Natur schöpferisch gestaltet - der Englische Garten


Im großen Palais und am Theater vorbei erreicht man nach einem kurzen Fußweg von der  Stadt aus eine Oase der Ruhe und Besinnlichkeit. Gleich am Eingang ziehen die künstlichen Ruinen und der Wasserfall unsere Aufmerksamkeit auf sich. Beide Sehenswürdigkeiten  stammen noch aus der Entstehungszeit des Parks, den der Herzog Georg I seit 1782 anlegen ließ. Seine Intention war es, die Ideen der Aufklärungsphilosophie allen Gesellschaftskreisen nahe zu bringen. Leider haben manche Bauwerke von damals die Zeiten nicht überstanden, so u. a. auch die Einsiedelei, der Tempel und die Meierei. Dennoch zeigt der Garten eine Vielzahl Zeitzeugen, die an Persönlichkeiten erinnern, die in Meiningens Geschichte eine besondere Rolle gespielt haben. Die von Gustav Müller geschaffene Büste von Max Reger war bei ihrer Aufstellung 1937 die erste von diesem Komponisten in Deutschland überhaupt. An den Aufenthalt von Johannes Brahms in Meiningen erinnert das von A. v. Hildebrand gestaltete Denkmal (1899). Auch diesem Werk wird das gleiche nachgesagt. Der Schriftsteller Jean Paul wird auf einem Hügel im Park geehrt - eine von L. v. Schwanthaler geschaffene Büste erinnert an sein Meininger Intermezzo von 1801 - 1803 in Meiningen. Opfer schändlicher Denkmalzerstörung wurde leider der Ludwig Bechstein gewidmete schöne Brunnen (1909). Seine Bronzefigur (Nixe mit Gnom) wurde 1990 geraubt. Wer sich in diesem Garten erholt und auf gepflegten Wegen zwischen Wiesen, liebevoll angelegten Beeten, Gehölzgruppen, altem Baumbestand und Hügeln spazieren geht, sollte auch der Arbeit jener gedenken, die sich um  die Gestaltung des Parks bemühten. Namentlich erinnert der Buttman-Stein an drei  Generationen von Landschaftsgestaltern. Die im neugotischem Stil konzipierte herzogliche Gruftkapelle entstand von 1839 - 1842 und ist ein Werk von Architekt A. W. Doebner. Früher befand sich hier die älteste Kirche Meiningens. Die Reste barocker und klassizistischer Grabsteine ganz in der Nähe bezeugen, daß sich um sie herum auch einmal ein Friedhof befand.


Der Englische Garten hinter dem Meininger Theater liegend lädt zur Entspannung und Einstimmung auf eine schöne Vorstellung ein. Nehmen Sie sich die Zeit und Entspannen Sie sich. Sie haben es verdient. :-)


Das Alte Meininger Theater - Hoftheater                >Näheres zu diesem Thema, direkt unter Theater<


Die Residenzstadt mit einem Theater zu versehen, verhinderten Kriege, Mißernten und fehlende Mittel. Erst durch die Verheiratung seiner Schwester Adelheid an den späteren englischen König William IV bekam der mittlerweile an die Regierung gekommene Bernhard II Zugriff zu nicht unbedeutenden finanziellen Mitteln und konnte nun daran gehen, damit verschiedene representative Bauwerke (Palais, Theater u.a.) zu errichten. Bernhard konnte nun beginnen, ein “Casinogebäude mit Theater” zu erbauen. Nach Abschluß der Planungsarbeiten begannen die Bauleute im August 1829 mit den Ausschachtungsarbeiten und dem Setzen der Fundamente. Am 2. April 1830 erfolgte im Beisein “Allerhöchster Herrschaften” die Grundsteinlegung. Die Bauausführung und - überwachung lag in Landbaumeister A. W. Doebners Händen, nach einem Entwurf des von Weinbrenner empfohlenen und in Theaterbausachen erfahrenen braunschweigischen Hofbaurates Carl Theodor Ottmer. Dessen Bauriss erhielt den Vorzug vor anderen, noch eingereichten Plänen. Davor lieferte Ottmer Entwürfe für Theater in Berlin (König- städtisches Theater Singakademie), Hamburg, Braunschweig, Leipzig, Dresden, die nur zum Teil verwirklicht wurden. Zur Finanzierung gab man Aktien aus, die in jährlichen Verlosungen abgetragen worden sind. Auch spendete die englische Königin Adelheid eine bedeutende Summe, die baugebundene Innenausstattung stammt von Landbaumeister Doebner. Die bühnentechnische Ausstattung baute der Wiener Theatermaschinist Hock ein. Hauptschmuck des großen Vestibüls stellten die in Nischen stehenden Marmorbüsten berühmter Dichter und Komponisten nebst den dorischen Sandsteinsäulen dar. Die Einweihung des Theaters fand am 17. Dezember 1831 mit der Oper “Fra Diavolo” von Auber statt. Enstanden ist außer dem Theater mit 700 Plätzen, dessen Bühne vorerst nur dreimal pro Woche in den Wintermonaten bespielt wurde, ein representativer Kinosaal mit den dazugehörigen Nebenräumen für Konzerte, Redouten und anderen Hoffestlichkeiten. Damit diente das Bauwerk nicht nur als Theater, sondern auch als Gesellschaftshaus des Hofes, deshalb gab es ein darauf abgestimmtes und letztendlich auch verwirlichtest Bau- bzw. Raumprogramm, daß diesen Funktionen Rechnung trug.


Theaterbrand          >Näheres zu diesem Thema, direkt unter Theater<


Am 5. März 1908 zerstörte ein Großbrand daß ruhmreiche herzogliche Hoftheater. Herzog Georg II. weilte nicht in Meiningen und erfuhr telegrafisch von der Katastrophe. Der ihm nachträglich untergeschobene Satz: “Laß den alten Schuppen brennen” muß als unwahre Legende in das Reich der Sagen verbannt werden. Vielmehr fragte Georg an, ob Menschenleben zu beklagen wären.  Die Feuerwehr löschte aus Leibeskräften. Viele Meininger Bürger halfen bei den Löscharbeiten und der Bergung wertvoller Requisiten. Trotz des Eingreifens von eiligst aus dem Manöver durch den Kaiser herbeibefohlenen Militärs brannte das Theater vollkommen aus und rauchte noch tagelang. Angesichts der großen Zerstörung war an einen Wiederaufbau nicht zu denken. Nur der Abbruch der Brandruine und ein vollständiger Neubau kamen in Frage. Eine dorische Sandsteinsäule aus dem Vestibül, durch Hofbaurat Behlert gerettet und vor seinem Architekturbüro aufgestellt, fand ihren neuen Platz im Mai 1995 südwestlich des heutigen Theaters.


Neues Meininger Theater          >Näheres zu diesem Thema, direkt unter Theater<


Nach dem verheerenden Großbrand ging Herzog Georg II. unverzüglich an die Planung und den Wiederaufbau des Musentempels. Bereits acht Tage nach der Katastrophe lagen ihm erste Planungs- und Entwurfsarbeiten seines Hofbaurates Carl Behlert vor. In der unglaublich kurzen Zeit von 1 Jahr und 9 Monaten ist ein monumentaler dreigeschossiger neoklassizistischer Baukörper einschließlich der Innenarchitektur in einheitlicher qualitätsvoller stilistischer Durchbildung mit modernster technischer Bühneausstattung entstanden. Die feierliche Einweihung fand am 17. Dezember 1909 mit der Aufführung von “Wallensteins  Lager” und “Piccolomini” statt. Parallel zu der gleitenden “Projektierung” verliefen die Aufräumungs-, Abbruch- und Neuarbeiten. Eine Grundsteinlegung fand in Folge des Ineinandergehens dieser Arbeiten nicht statt. Die Maurer begannen ihre Tätigkeit anfang Juni, und sie arbeiteten auch nachts. Bereits nach einem halben Jahr, am 24. Dezember 1908, feierte man Richtfest. Achtundneunzig Firmen, darunter neunundfünzig aus Meiningen, wirkten am Bau mit. Die Baukosten betrugen 1.200.000 Mark.  Im Gibeldreieck des Säulenportikus hat Georg II. sein humanistisches Vermächtnis an die Nachwelt anbringen lassen:


”GEORG II.   DEM VOLKE ZUR FREUDE UND ERHEBUNG”


Bernharddenkmal


Kurz vor dem 100. Geburstag von Herzog Bernhard II. Erich Freund (17. Dezember 1900) gründete sich ein Denkmalsausschuß. Im Ergebnis dessen wurde das Denkmal am 14. August 1903 eingeweiht. Das etwa anderthalbfach lebensgroße Monument im Englischen Garten, südöstlich des großen Palais an einem Hauptweg stehend, zeigt Bernhard II. Erich Freund in der Uniform des letzten Meininger Kontingents, dessen Oberbefehlshaber er als Landesherr war und mit der Verfassungsurkunde in der rechten Hand. Caspar Ritter von Zumbusch schuf dieses großartige Werk im Auftrag Georg II., der diesen Bildhauer sehr schätzte und  ihm noch andere Auftragswerke vermittelte. In der Nacht vom 2. zum 3. Juni 1949, andere Quellen sprechen vom 6. Juni, ist die Plastik von einem knappen Dutzend Personen vom Sockel geholt, dabei arg beschädigt und später eingeschmolzen worden.