Stadt Meiningen - Geschichte
 

Deutung:

Die Henne auf einem Berg – als zentrales Gestaltungselement – geht auf die Herrschaft der Grafen von Henneberg (ab 1542) zurück. Sie wurde im Jahre 1557 aus dem Wappen der Landesherren übernommen. Die Form des Berges (3 Hügel) hat keine besondere Bewandnis und ist als künstlerische Freiheit einzustufen. Die Türme und die Mauer stehen symbolisch für eine durch Wehranlagen geschützte Ortschaft mit Stadtrecht. Es lässt sich keine Beziehung zu einem konkreten Bauwerk nachweisen.

Warum fünf Türme? Und was bedeuten die Halbmonde?

Diese Fragen lassen sich aus der Geschichte heraus nicht beantworten. Im ältesten bekannten Siegel der Stadt sind drei Türme dargestellt. Die Anzahl der Türme variierte im Laufe der Zeit. Das heutige Wappen fußt auf dem Siegel von 1634, welches schon fünf Türme zeigt. Bei den Halbmonden handelt es sich vermutlich um gestalterische Elemente. Einen Bezug zu Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich lässt sich nicht herstellen.


Chronik der Stadt Meiningen


982  Erste urkundliche Erwähnung;

Kaiser Otto II. übergibt sein Königsgut Meiningen dem Stift Sankt Peter und Paul in Aschaffenburg

1008 Kaiser Heinrich II. gibt Meiningen dem Bistum Würzburg als Lehen

Bis auf kurze Unterbrechungen bleibt Meiningen ein halbes Jahrtausend in diesem Herrschaftsbereich

1230  Meiningen wird erstmals in einer Urkunde als Stadt bezeichnet

1344 Kaiser Ludwig der Bayer verleiht Meiningen die Rechte der Freien Reichsstadt Schweinfurt

1478 Aufstand der Bürger gegen den privilegierten Rat, in dessen Folge die Rechte der Stadt durch den Bischof von Würzburg stark beschnitten wurden

1509-1511 Wiederaufbau der 1432 zerstörten Burg durch Bischof Lorenz von Bibra

1525  Niederlage der Stadt, die sich im Bauernkrieg dem Bildhäuser Haufen angeschlossen hatte

1542 Die Grafen von Henneberg tauschen beim Bischof von Würzburg das Amt Mainberg gegen Meiningen ein

1583  Das Geschlecht der Grafen von Henneberg stirbt aus und anschließend fällt Meiningen laut Erbvertrag an die verschiedenen Linien des Hauses Wettin

Ende 16./

Anf.17.Jh. Meiningen erlebt durch die Barchent- und Leinenweberei einen wirtschaftlichen Aufschwung

1632 Die Stadt wird im Dreißigjährigen Krieg geplündert und die Bevölkerungszahl verringert sich um die Hälfte

1660  Meiningen kommt zum Herzogtum Sachsen-Altenburg

1672  Wechsel zum Herzogtum Sachsen-Gotha

1680  Durch Aufteilung des Herzogtums Sachsen-Gotha wird Meiningen zur Residenz des neu gebildeten Herzogtums Sachsen-Meiningen

1682-1692 Bau von Schloss Elisabethenburg

1763  Herzogin Charlotte-Amalie (1730-1801) übernimmt nach dem Tod ihres Mannes Anton Ulrich die Regentschaft des Landes und leitet einen Wech-sel in der Geschichte des Herzogtums ein, den ihre Söhne

Karl (1754-1782) und Georg I. (1761-1803) mit zahlreichen Reformen fortführen

1782-1783 Friedrich Schiller kommt auf seiner Flucht aus Stuttgart am 7. Dezember 1782 in Meiningen an und reist weiter in seinen Asylort Bauerbach

1831  Eröffnung des Meininger Hoftheaters

1858  Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie im Werratal

1866  Mit dem Ausgang des Krieges zwischen Preußen und Österreich muss Herzog Bernhard II. Erich Freund die Regentschaft   an seinen Sohn Georg II. (1826-1914) abtreten

1874-1890 Gastspielreisen der Schauspieltruppe Herzog Georg II., die mit ihren spektakulären Inszenierungen Meiningen in ganz Europa bekannt machte

1874  Ein Brand vernichtet große Teile der Altstadt, Wiederaufbau bis ca. 1880

1880-1885 Mit Hans von Bülow an der Spitze wird die Meininger Hofkapelle zu einem der gefragtesten Orchester in Europa und begibt sich ebenfalls auf Gastspielreise

1908  Brand des Meininger Hoftheaters

1909  Eröffnung des neuen Hoftheatergebäudes

1918 Der Soldaten- und Arbeiterrat zwingt Bernhard II. zur Abdankung

1920  Meiningen wird Kreisstadt im Land Thüringen und behält diesen Status trotz mehrfacher Veränderung des Kreisgebietes  und der politischen Strukturen bis heute

1945 Teile der Stadt werden bei einem Bombenangriff zerstört, 200 Bürger fallen dem Angriff zum Opfer;

Meiningen wird zunächst von amerikanischen und dann von russischen Truppen besetzt

1949  In Meiningen wird die erste Poliklinik des Landes Thüringen gegründet

1973  Einrichtung einer offiziellen Grenzübergangsstelle (GÜST) zwischen der DDR und der BRD im Meininger Sperrgebiet

1988  Beginn der Städtepartnerschaft mit Neu-Ulm in Bayern

1989  Öffnung der nur 12 km entfernten Grenze und damit Aufhebung der 40jährigen Abschottung der Stadt nach Westen und Süden

1991 Vereinbarung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Obertshausen und Meiningen;

Abzug der Truppen der Roten Armee (Meiningens Ende als Garnisonsstadt)


Meiningen  in Zahlen 

Lage

Die Kreisstadt Meiningen liegt im Südwesten des Freistaates Thüringen und damit annähernd in der Mitte Deutschlands.


Einwohner

22.586 (Stand Januar 2006)  


Stadtgebiet

4.139 ha, davon 51 % Wald

17 % landwirtschaftliche Nutzfläche

10 % Grünflächen

1 % Wasserfläche

20 % Siedlung und Verkehr


Höhenlage

Stadtmitte: 285 m N.N.

Dreißigacker: 430 m N.N.


Koordinaten

  50° 34` 07 Nördliche Breite

  10° 24` 58 Östliche Länge


Verkehrsanbindungen

  Straße:    A 71 Erfurt-Schweinfurt

                  B 19 Eisenach-Würzburg

                  B 89 Hildburghausen, Sonneberg

                  B 280 Zella-Mehlis

  Schiene: im Stundentakt in alle Richtungen


Handel und Industrie

  verarbeitendes Gewerbe, Präzisions- und Sondermaschinenbau, produzierende

  Branchen, Baugewerbe und Baunebengewerbe sowie Handel und

  Dienstleistungen


Gesundheits- und Sozialwesen

  Klinikum-Meiningen, Geriatrische Fachklinik, Ärzte aller Fachrichtungen, 3 Alten- und Pflegeheime, 3 Einrichtungen für altersgerechtes Wohnen,  6   Kindertageseinrichtungen


Bildung

  2 Grundschulen, 2 Grund- und Regelschulen, Gymnasium, 3 Berufsschulen,

  3 Förderschulen


Kultur

  Das Meininger Theater, zahlreiche Museen, Galerie, Bibliothek, Volkshochschule,

  Musikschule


Freizeit und Erholung

  Freibad, Hallenbad, Sportplätze, Multihalle, Tennisanlage, Kegelanlagen,

  Kanusportanlage


Tourismus

  ehemalige Residenzstadt, Theater, Dampflok Werk, Museen

Der eigentümlich erscheinende Grundriß der mittelalterlichen Stadt Meiningen erinnert an eine Harfe, worauf der Beiname “Harfenstadt” entstanden ist. Die Hauptzugänge der Stadt waren im Süden das Obere Tor und im Norden das Untere Tor. Die Befestigung, bestand nach 1300 aus einem doppelten Mauerring und drei Gräbern, bewässert durch die Verwendung eines ehemaligen Werraarmes. Bis heute hat man den Stadtkern weitgehend erhalten können.


Meiningen wurde 982 als landwirtschaftliche Siedlung erstmals urkundlich erwähnt. Entsprechend der gefundenen Baureste muß es schon um das Jahr 1000 eine steinerne Kirche gegeben haben. 1153 erhielt Meiningen eine eigene Gerichtbarkeit, also die Stadtrechte. Im Jahre 1230 wurde Meiningen erstmals in einer Urkunde als Stadt (civitas) benannt.


Einwohnerentwicklung:


Um 1600 zählte die Stadt ca. 4.000 Einwohner, deren Zahl sich auf Grund des Dreißigjährigen Krieg auf 1.300 verringerte.


1700: ca. 2.000; 1800: ca. 4.000; 1850: ca. 6.000; 1870: ca. 9.000; 1880: ca. 11.000; 1890: ca. 12.000


1900: ca. 14.000; 1940: ca. 22.000; 1960: ca. 24.000; 1980: ca. 27.000; 1998: ca. 22.981; 2001: ca. 22.229;  2004: ca. 23.000;  2010: ca. 21.000


Meiningen vom Osten aus gesehen,um 1850

Schon lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung Meiningens besiedelten Menschen diese Region. Prähistorische Funde belgen das. Dort, wo sich heute der englische Garten befindet, fand man 1861 Knochen, Scherben und Wandbewurf von Wohnstätten. Diese Funde berechtigen zur Annahme, daß hier schon in der Eiszeit Menschen lebten. Historische Kontinuität aber läßt sich bis 531 zurück verfolgen, als das Thüringer Reich nach der Schlacht bei Burgscheidungen von den Franken, die sich nach Osten ausbreiteten, unterworfen wurde. Etwa zu Beginn des 8. Jahrhunderts fand eine administrative Eingliederung in das Frankenreich statt. Von Würzburg aus begann die christliche Missionierung. An wichtigen Straßen und Furten entstanden nach und nach Siedlungen und auch Königshöfe, so wohl auch am Werraübergang von Meiningen. Nachdem der Deutsche Kaiser Otto II. 982 in Italien die Schlacht gegen die Sarazenen verlor, wurde das Königsgut Meiningen dem Stift Sankt Peter und Paul in Aschaffenburg übereignet. Das belegte eine Urkunde von 982. Doch 1008 wird der Königshof  Meiningen wieder Würzburg angeschlossen.

Obwohl schon um 1000 an der Stelle der heutigen Stadtkirche ein Vorgängerbau gestanden hat und eine Handwerkersiedlung bestanden haben muß, wird Meiningen erst 1230 in einer Urkunde “chivitas”, also Stadt, genannt. An der Handelsstraße von Thüringen nach Franken konnte sich die Altstadt entwickeln. Den rechteckigen Marktplatz mit einem Rathaus gab es bereits im 13. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt befestigt. Vom Oberen und Unteren Tor und den zahlreichen Türmen der Befestigungsanlage, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bestanden hat, steht heute praktisch nichts mehr. In einer Burg zur Sicherung der Stadt hatte ein Amtmann des Bischofs von Würzburg seinen Sitz. Später wurde an dieser Stelle Schloß Elisabethenburg errichtet. Wann Meiningen die Stadtrechte erhielt, ist unbekannt. Doch 1344 bekam es die Rechte der Freien Reichsstadt Schweinfurt. Kaiser Ludwig der Bayer erlaubte der Stadt, statt der drei Türme im Wappen nunmehr fünf darzustellen. Das im Wappen geöffnete Stadttor enthielt noch ein Bischofshaupt mit Miltra. Mit der wachsenden Macht der Grafen von Henneberg trat an diese Stelle dann die Henne. Am Aufstand der Städte gegen die landesherrliche Oberhoheit im Bistum Würzburg beteiligte sich Meiningen von 1397 bis 1400. Auch 1433 verteidigten sich die Bürger gegen Übergriffe des bischhöflichen Amtmanns und zerstörten die Burg. Doch der Bischof von Würzburg konnte seinen Einfluß auf die Stadt ausbauen. Die Stadt  mußte erhebliche Rechtsverluste hinnehmen. Der Wiederaufbau der 1478 vernichteten Burg unter Bischof Lorenz von Bibra zwischen 1509 und 1511 fand in einer Zeit statt, die bereits durch den Unmut der Bauern und Bürger geprägt war. Nach der Beteiligung der Meininger Bürger am Bauernkrieg wurden die Rechte der Stadt durch Bischof Konrad abermals eingeengt. 1542 tauschten die Grafen von Henneberg Meiningen gegen das Amt Meinberg ein. Die Stadt geriet unter die Territorialherrschaft dieses mächtigen fränkischen Fürstengeschlechtes und fiel nach deren Aussterben 1583 an die Wettiner.

An der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert konnte sich die ökonomische Situation der Stadt erheblich verbessern. Mit der Herstellung von Tuchen, Leinen und Barchent aus heimischen Rohstoffen entstanden neue Wirtschaftszweige. Erstklassige Tuche fanden im europaischen Markt guten Absatz. Doch leider nur bis zum Dreißigjährigen Krieg. Die Zeit extremer Kleinstaaterei begann: 1660 kommt Meiningen zum Herzogtum Sachsen-Altenburg und 1672 zum Herzogtum Sachsen-Gotha, daß schon 1680 unter die sieben Söhne Herzogs Ernst des Frommen aufgeteilt wird. Es entsteht so das Herzogtum Sachsen-Meiningen. Schloß Elisabethenburg wird als Sitz für die neuen Herren gebaut. Doch absolutistische Mißwirtschaft und kleinkarierte lokale Kriege und Nichtigkeiten ruinieren Meiningen. Die erhoffte Besserung trat erst ein, als Herzogin Amalie (1730 bis 1801) die Regierungsgeschäfte übernahm. Sie war die Mutter der zu diesem Zeitpunkt noch unmündigen Söhne Karl und Georg. Erhebliche Reformen im Bildungs-, Rechts- und Gesundheitswesen unter den Herzögen Karl und Georg I. folgten. Die Ideen der Aufklärung bestimmten zunehmend den Geist der stark wachsenden Stadt, die sich endlich von ihrer Befestigungsanlage befreien konnte. Der englische Garten entstand, und der einst barock angelegte Schloßgarten wurde im englischen Stil erneuert. 1847 wurde die repräsentative Residenzstraße mit dem Palais und einem Kaufhaus fertig gestellt, 1831 das Hoftheater eröffnet. Stadtprägend wirkten die Befürchtungen von Herzog Bernhard II., Erich Freund (1800 bis 1882), daß moderne Industrieanlagen unschöne Begleiterscheinungen mit sich brächten. Deshalb begünstigte er, daß sich Banken und andere Dienstleister, wie man heute sagt, in Meiningen etablierten. Im preußisch-österreichischen Krieg 1866 sympathisierte der Herzog mit den Österreichern und ihren süddeutschen Verbündeten. Der Sieger, Kaiser Wilhelm I., wollte ihn dafür bestrafen und drohte, Meiningen dem Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha zuzuschlagen. Nur der Rücktritt Herzog Bernhards zu Gunsten seines Sohnes konnte dies vereiteln. Damit begann die Ära von Herzog Georg II., die vor allem von kulturellen Höhepunkten begleitet wurde. Er war es auch, der durch seine Impulse der Stadt eine europäische Dimension verlieh. Seine Ideen bewirkten eine tiefgreifende Reform der europäischen Schauspielkunst und des Musikgeschehens. Namhafte und weltberühmte Interpreten wirkten in der Residenzstadt. Zusammen mit seiner Gemahlin, Freifrau von Heldburg, verkörperte er humanistische Lebensart und kunstorientierte Bildungsmöglichkeiten. In dieser Tradition versteht sich die moderne Stadt übrigens auch heute noch. 1874 zerstörte ein fürchterlicher Stadtbrand wesentliche Teile Meiningens. Die Stadt mußte dem Verlust vieler, teils kulturgeschichtlich wertvoller Fachwerkhäuser hinnehmen. Mit der Hilfe vieler deutscher Städte konnte aber wertvolle Bausubstanz erneuert und der Zukunft erhalten werden. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg starb Herzog Georg II.. Eine große Epoche nahm damit ihr Ende. Die Revolution von 1918 bedeutete auch das  Aus für das Herzogtum Sachsen-Meiningen. Sein letzter Regent, Bernhard III., Nachfolger von Georg II., gibt auf, nachdem ihm  die Abdankungsurkunde von Soldaten und Arbeiterrat vorgelegt wird.

Das Meininger Stadtwappen

MEININGEN IN THÜRINGEN - GESCHICHTE

Das „Wappen zeigt im einfachen, unten gerundeten Schild in Blau eine von fünf silbernen rotbedachten Türmen überragte  silberne Stadtmauer, in deren offenem Tor auf goldenem Grund eine rotbewehrte nach rechts gewandte schwarze Henne auf grünem Dreiberg steht.“