Meininger Bühne nahm als erstes deutsches Theater nach dem Krieg den Spielbetrieb wieder auf


Die Meininger Bühne gilt als das Theater Deutschlands, das nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als erstes wieder seine Pforten öffnete und einen geregelten Spielbetrieb aufnahm. Ist das unbestritten, so gibt es über das genaue Datum der Wiedereröffnung widersprüchliche Angaben. Der Protagonist jener Tage, Friedrich Tartler, berichtete in seinen Erinnerungen vom unermüdlichen “Kampf” seiner engsten Mitstreiterin Eva Dorn “um die Spielerlaubnis, um Kohlen und Textbücher”, der dazu führte, “dass das Theater an ihrem Geburtstag, dem 20. Mai 1945, wieder eröffnet werden durfte”. Auch eine Formulierung in der Thüringer Volkszeitung vom 23. Februar 1946, “seit dem 20. Mai vorigen Jahres..., dem Tage, an dem das Landestheater Meiningen als erstes deutsches Theater nach dem Zusammenbruch des Hitlerregimes seine Pforten wieder eröffnete”, sei ein künstlerisch bemerkenswerter Weg zurückgelegt worden, legt dieses Datum nahe. Von Vorstellungen wird jedoch nicht berichtet, was vermuten lässt, dass dieses Datum den Beginn der Proben bezeichnet. Denn der gewissenhafte Chronist der “Meininger”, Kurt Vieweg, listete zwar für den 23. Mai einen “Tanzabend” in Zella-Mehlis auf. Nach seiner Aufstellung begannen die Vorstellungen am Meininger Theater jedoch am 2. Juni 1945 mit einer “Dancing-show for the American soldiers”.  Die Situation im Vorfeld war, verglichen mit den in Schutt und Asche liegenden Theatergebäuden in den Großstädten, einigermaßen komfortabel, wenn auch nicht unkompliziert. Nach der Schließung des Theaters am 6. August 1944 durch eine Verfügung von Gauleiter Sauckel und der Zwangsverpflichtung des nicht einberufenen Personals in Industrie- bzw. Rüstungsbetriebe, diente das Gebäude der Reichsbahndirektion Berlin vorübergehend als Ausweichlager, nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen sogar für einige Tage als Lazarett. Diese Nutzungen und wohl auch Plünderungen, die von den den Fundus bewachenden älteren Ensemblemitgliedern nicht verhindert werden konnten, versetzten das Haus in einen trostlosen Zustand.

“Die Türen hingen lose in den Angeln, der Schutt von zerschlagenen Gegenständen lag kniehoch, die Kostümräume waren leer, kein technischer Apparat funktionierte, es gab kein Licht und kein Wasser, da die Rohre zerschlagen waren”, berichtete Tartler in der Thüringer Volkszeitung. Ende April 1945 begannen die in Meiningen verbliebenen Künstler und Techniker alles noch  Brauchbare zusammenzutragen, Anlagen notdürftig zu reparieren und das Haus zu säubern. Gleichzeitig begann die personelle Säuberung. Auf Beschluss der Mitgliederversammlung vom 20. April 1945 wurde die Buchhalterin und Stellvertreterin des Verwaltungsdirektors Spieß, Friedel Goetzmann, des Theaters verwiesen. Man warf ihr vor, eine Verordnung zum Schutz für Bühnenmitglieder, in der die Heranziehung von Künstlern für gesundheitsgefährdende Tätigkeiten reglementiert wurde, unterschlagen bzw. in diktatorischer und denunziatorischer Weise gehandhabt zu haben. Der aus München stammende Intendant Hansen hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits abgesetzt. In einer zweiten Mitgliederversammlung eine Woche später wurde Friedrich Tartler zum Intendanten/Vorstand eines Arbeitsausschusses gewählt, dem außerdem Cay-Dietrich Voss, Carl Lerch,   Erna Molnar, Peter Schmitz und zwei weitere Vertrauensleute angehörten. Diese Gruppe initiierte eine durchaus beachtenswerte Zwischenspielzeit, die von Tatendrang und dem Bestreben einer geistigen Neuorientierung geprägt war. “Wir müssen versuchen, unsere Zeit zu erfassen, weil es unmöglich ist, einfach da zu beginnen, wo wir 1933 aufhörten”, verkündete Tartler programmatisch. An die große Zeit unter Herzog Georg II. wolle man anknüpfen. Das Publikum möge sich nicht nur zu Frohsinn und Heiterkeit nach schweren Kriegsjahren bekennen, sondern vor allem zu den “höchsten Gütern der Kunst, der Kultur”. Bis zum 13. September wurden an 87 Tagen 104 Vorstellungen gespielt, darunter 10 Vorstellungen des gastierenden  Marionetten-Theaters unter der Leitung von R. Bosco Schmidt. Gespielt wurde nicht nur in Meiningen. Durch die Unterstützung der Amerikaner kamen in Zella-Mehlis, Suhl, Hildburghausen, Sonneberg, Eisfeld, Schmalkalden, Bad Liebenstein und Bad Salzungen 49 Vorstellungen zu Stande. Gespielt wurde, was spielbereit war und von der amerikanischen Administration erlaubt wurde, darunter Hauptmanns “Versunkene Glocke”, Schnitzlers “Anatol”, Shaws “Arzt am Scheideweg” und Lessings “Nathan”. “Im  weißen Rößl”, “Charley´s Tante” und “Der Raub der Sabinerinnen” waren die Höhepunkte des heiteren Genres. Gleichzeitig wurde die erste Nachkriegsspielzeit vorbereitet, die ohne Pause am 15. September 1945 mit dem ersten Teil von Goethes “Faust”  begann.

Marmorbüsten berühmter Protagonisten der Theater - und Musikszene im Meininger Theater, hier Otto Ludwig, Richard Wagner, Friedrich von Schiller und Johann Wolfgang von Goethe

Zu sehen im Meininger Theater - Porträt Ludwig Chronecks, Schauspieler und engster Mitarbeiter des Theaterherzogs Gerorg II.

Das Foyer

Zuschauerraum mit Fremdenloge

Das wunderschöne neu renovierte Foyer unseres Hauses lädt Sie in der Stückpause zu kleineren Snacks und Getränken herzlich ein und wünscht Ihnen eine schöne Vorstellung.

Bernhard-Straße mit dem Hoftheater, um 1840

Leopold Teller als Herzog von Burgund in “Die Jungfrau von Orleans” - F.Schiller

Herzog Georg II.  um 1870

Eröffnet 1831 - Meininger Hoftheater                   Postkarte “Utopisches Meiningen” um 1900   > noch ein paar Alte Postkarten

Die erste Nachkriegsspielzeit am Meininger Theater begann am 15.September 1945 mit dem ersten Teil von Goethes “Faust”. Im Bild: Eva Dorn als Margarethe, Otto Graf als Faust und im Hintergrund Friedrich Tartler als Mephisto.

Während der so genannten Zwischenspielzeit von Juni bis September 1945 kam das Stück “Wasser für Canitoga” von Autor Georg Turner auf der Meininger Bühne zur Aufführung.

Herzog Georg II. ist es zu verdanken, daß die Residenzstadt an der Werra zu einer Musik- und Theaterstadt wurde, die weit über ihre Grenzen hinaus einen hervorragenden Ruf genießt. 1831 eröffnete das Theater mit der Oper “Fra Diavolo” von Auber. Die Übernahme der Regierungs- geschäfte durch Georg II. 1866 brachte auch eine leidenschaftliche Einflußnahme des Herzogs auf das Theatergeschehen mit sich. Der kunstbegeisterte und begabte Regent entwarf sogar eigenhändig Bühnenbilder und Kostüme. Zur Seite stand ihm seine Gemahlin, Freifrau von Heldburg. Das Ensemble, überall bekannt geworden als die “Meininger”, gastierte in ganz Europa. Zwischen 1874 und 1890 waren es 91 Gastspiele mit 41 Stücken. Auch Hans von Bülow verdient besondere Anerkennung. Er führte die Meininger Hofkapelle als Komponist und Dirigent zu internationalem Ruhm. 1908 brannte das Theater ab. Nur 19 Monate dauerte der Wiederaufbau. Mit der Aufführung von “Wallensteins Lager” von Friedrich Schiller begann eine neue Epoche. Auch heute noch zählt das Haus für Theater- und Musikfreunde zu den ersten Adressen in Deutschland. Internationale Opernstars, berühmte Orchester, prominente Schauspieler und nahmhafte Regisseure treffen sich in Meiningen, um eine erfolgreiche Tradition fortzusetzen.

KLEINE MEININGER THEATERGESCHICHTE - 2006 wurde das Theater 175 Jahre


MAN SAGT, Meiningen sei eigentlich keine Stadt mit Theater, sondern ein Theater mit Stadt - oder anders: Die Stadt spiegelt sich im Theater, von wo aus es die europäische Theaterlandschaft erneuert hat.   Bereits im 18.Jahrhundert begeisterten sich die Meininger Herzöge für das Theater, veranstalteten Laienaufführungen , um schließlich 1831 das Hoftheater Meiningen zu eröffnen. 1866 übernahm Georg II. die Regentschaft im Herzogtum und zugleich auch die Leitung des Theaters. Er strebte eine Erneuerung des deutschen Theaters an. Gemeinsam mit dem Co-Regisseur Ludwig Chronegk und seiner Frau, der Schauspielerin Ellen Franz, war sein Hauptanliegen, die philosophischen, dramaturgischen und dekorativen Elemente in seiner Arbeit zu einem Gesamtkunstwerk zu vereinen. Die seit 1690 bestehende Hofkapelle profilierte sich während der Regierungszeit Herzog Georg II. und entwickelte sich zu einem bedeutenden Orchester mit Hans von Bülow, Richard Strauss, Johannes Brahms und Max Reger am Pult.   Ende des 19.Jahrhunderts folgte ein Siegeszug der “Meininger” durch Europa. Die “Meininger Gastspiele” wurden zur Legende. Das Ensemble reiste von 1874 bis 1890 - ein logistisches Meisterstück - mit samt Bühnenbildern, Requisiten und Kostümen per Bahn durch 39 Städte, von London bis Kiew mit 2591 Vorstellungen - überwiegend Werke von Shakespeare, Schiller und Goethe wurden aus der gefühlsentleerten Inszenierungskonvention herausgeführt. Das Meininger Theater wurde zur Wiege des Naturalismus und verschaffte dem modernen Regietheater seinen Durchbruch. Stanislavski entwickelte aufgrund seiner Eindrücke der   “Meininger Spielweise” seine Lehr- und Regiemethode, die später Bertold Brecht in Berlin, Sergeij Eisenstein in Moskau und Lee Strassberg in New York weiterführten. In Strassbergs Actors Studio in New York begannen Filmlegenden wie Al Pacino, Robert de Niro oder Dustin Hoffmann ihre Karrieren - Ohne Meiningen kein Hollywood.   Nach dem Theaterbrand 1908 wurde an gleicher Stelle der heutige neoklassizistische Theatertempel eröffnet. Infolge der Novemberrevolution 1918 wurde das Theater vom Land Thüringen übernommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das Meininger Theater als eine der ersten deutschen Bühnen den Spielbetrieb wieder auf und baute schrittweise ein festes Musiktheater und Ballettensemble auf. 1986 folget das Puppentheater. Mit einigen DDR-Erstaufführungen und Antikenprojekten gelang dem Ensemble maßstabsetzende Inszenierungen für das DDR-Theater.   Nach der Wende führte der Intendant Ulrich Burkhardt mit neuer Studiobühne, (Georgie`s Off, heute Kammerspiele), und internationalen Gästen das Haus zu neuen Besucherrekorden. Dieser Erfolg wurde von Christine Mielitz im Musiktheater fortgesetzt. Spätestens seit ihrem “Ring des Nibelungen” 2001 ist Meiningen wieder in aller Munde.

ARCHITEKTONISCHES


Am 5. März 1908 brannte das 1831 erbaute alte Hoftheater ab. Nach Plänen des Meininger Hofbaurates Behlert begannen bereits im Mai die Bauarbeiten für ein neues Theater. Am 17. Dezember 1909 fand mit einer Aufführung von Schillers “WALLENSTEINS LAGER” und “DIE PICCOLOMINI” die Einweihung des neuen Hauses, eines der modernsten Theater in Europa, statt. Die Vorder- front schmückten 6 korinthischen Säulen, welche den Giebel tragen, in dem Georg II., der “Theaterherzog” den Spruch


“Dem Volke zur Freude und Erhebung”


anbringen ließ. Die Wandflächen der Vorderfassade schmücken rechts und links zwei Reliefs, auf denen die heitere und die ernste Muse, Thalia und Melpomene, dargestellt sind. Korinthische Pilaster begrenzen die fünf Eingangstüren und die darüber liegenden Fenster. An den mittleren Türen sind eine tragische und eine komische Maske angebracht, deren Entwürfe von Begas stammen. Das Vestibül des Theaters mit der Abendkasse wurde im Empire-Stil gestaltet. Hauptschmuck ist die rötliche, griechische Marmorverkleidung der Pfeiler, deren Kapitelle vergoldet sind. Der Theaterkasse gegenüber befindet sich ein Marmorkamin, über dem eine Reliefplakette mit dem Bild Ludwig Chronegk`s angebracht ist. Neben der Kasse sowie rechts und links der Eingangstüren stehen Büsten Richard Wagner`s, Franz Grillparzer und Otto Ludwig`s. Der Zuschauerraum ist im amphitheatralischen Stil gebaut, ohne Pfeiler, so daß von allen 733 Plätzen im I. und II. Parkett und von den drei Ringen eine gute Sicht auf die Bühne gegeben ist; von jedem Platz läßt sich der gesamte Portalausschnitt der Bühne überblicken.